The madness: BMW 3er E46 Mysticblau...und die Suche nach Perfektion

    • The madness: BMW 3er E46 Mysticblau...und die Suche nach Perfektion




      Moin moin!

      Hier möchte ich euch nun auch mal wieder was von meinem eigenen Auto berichten. Ein Aufbereitungsbericht von 2015 existiert hier zwar schon irgendwo, ist allerdings schon etwas veraltet, weshalb ich das Ganze nun hier im Bereich "Pflegeergebnisse" weiterführen möchte.



      Das Auto

      Bei dem mittlerweile 13 Jahre alten Wagen (Baujahr 07/2004) handelt es sich um meinen Daily-Driver und Autobahn-Veteranen, mit mittlerweile gut 150000 Kilometern auf der Uhr. In der Regel steht das Fahrzeug täglich draußen unter freiem Himmel oder unter dem Carport.

      Gewaschen wird der Wagen grundsätzlich so schonend wie möglich, sprich Zwei-Eimer-Wäsche mit diversen Shampoos (ich probiere gerne herum) und den meiner Meinung nach besten Wasch-Utensilien, die ich finden konnte: die Produkte der Incredi- und Dry Me Crazy-Reihe von Microfiber Madness.
      Bisher war der BMW durch eine Schicht Nanolex Si3D geschützt, die bereits letzten Herbst geschwächelt hat. Daher wurde regelmäßig mit Sonax Brillant Shine Detailer nachgeholfen, um den Lackschutz aufrecht zu erhalten.



      Der Ausgangszustand

      Rein vom Pflegezustand her gibt's nix zu meckern, Swirls halten sich stark in Grenzen, da der Lack doch recht hart und unempfindlich ist. Dennoch, der Wagen ist nun mal 13 Jahre alt und mit fachmännischem Blick entdeckt man immer mal wieder "Altlasten" in Form von mehrfach überpolierten RIDS (randomly isolated deep scratches), vereinzelt über das ganze Fahrzeug verteilt. Bei jeder Aufbereitung gehe ich daher immer mal mit dem Kovax-Schleifblock um's Auto und schaue, was mir gerade so spontan ins Auge fällt.

      Das Dach und der Kofferraumdeckel hatten es dabei übrigens besonders hart getroffen (vermutlich vom unsachgemäßen Schnee-abfegen im Winter), beide Teile wurden letztes Jahr per Nassschliff von allen Defekten befreit. Waren meine ersten wirklich großen Nassschliff-Flächen und auch mal eine ziemlich coole Erfahrung. Nochmal würde ich es aber nicht machen... :whistling:

      Ansonsten kommt da noch ein Umstand dazu, der mich dieses Jahr noch einiges an Nerven kosten sollte. Der Wagen wurde fahrerseitig bis zur Höhe der Türgriffe einmal komplett neu lackiert. Grund dafür waren Schlüssel-Kratzer, die irgend ein besonders nettes Individuum dort hinterlassen hat. Das Ganze geschah noch unter dem Vorbesitzer, die entsprechenden Unterlagen sind aber vorhanden.
      Wie man sieht, war der Lackierer, der die Instandsetzung damals durchgeführt hat, offenbar nicht besonders talentiert. Vielleicht auch blind und/oder anderweitig körperlich behindert, man weiß es nicht.
      Die Lackierung entspricht jedenfalls in keinster Weise dem, was man auch nur annähernd als saubere Arbeit bezeichnen könnte. Eine Frechheit, einen Kunden so vom Hof fahren zu lassen! X/




      Ja, diese Schliffstellen waren alles Lackpickel bzw. Staubeinschlüsse. Die größeren Schliffe, die man direkt unterhalb der Zierleisten sieht, waren sogar richtig dicke Läufer ("Lacknasen"), kein Scheiß!
      Hier zum Beispiel ein Prachtexemplar von Lacknase in der Tür:




      Bisher habe ich diese "Unregelmäßigkeiten" zugegebenermaßen immer ignoriert, nun wollte ich das aber auch mal ordentlich gemacht haben. Wo der Perfektionismus der Lackiererei endet, müssen eben wir ran. Allerdings unterschätzte ich die Anzahl der Defekte bzw. nötigen Schliffe zunächst jedoch gewaltig.
      Immer wenn ich eine unschöne Stelle ausgeschliffen hatte, entdeckte ich wieder eine Neue, die man ja auch noch schnell machen könnte. Ihr kennt das vielleicht. Und so kam schließlich das schöne "Fleckenmuster" auf der Fahrerseite zustande.
      Zur Lackierung sei immerhin gesagt, dass der Farbton perfekt getroffen wurde und auch die Lackstruktur sich nicht von der des restlichen Fahrzeugs (mit Ausnahme natürlich der nassgeschliffenen Bauteile) unterscheidet. Immerhin das hat der Lackierer damals offensichtlich hingekriegt.

      Zu der verpfuschten Lackierung kommen noch die üblichen Schäden, vor allem nämlich die Steinschläge. Insbesondere auf der Frontschürze, Motorhaube und auch einige auf dem Dach. Wie man hier sieht, habe ich auch davon wieder reichlich zum Ausbessern/Verschleifen finden können. Gleiches Thema, wenn ich einmal angefangen habe, fällt's mir schwer mich zu beherrschen...




      Allein das Schleifen per Kovax beschäftigte mich schließlich ca. 8-9 Stunden lang. Habe mir mal den Spaß gemacht, nach dem Schleifen um's Auto zu laufen und die einzelnen Schliffstellen zu zählen. Ich kam auf 127 Stück! Den Großteil davon machten die Lackierfehler fahrerseitig aus.

      In weiser Voraussicht habe ich das Schleifen jedoch schon am Wochenende vor der eigentlichen Aufbereitung erledigt, um hier keine wertvolle Zeit zu verlieren. Sonst hätte die Aufbereitung selbst vermutlich auch wirklich jeden Rahmen gesprengt.
      Die vielen Schliffe dürften bereits einen kleinen Eindruck schaffen, was da so alles auf mich zukam. Durch einen glücklichen Zufall hatte ich in der Woche vor dem Oster-Wochenende bereits ab Dienstagabend vorlesungsfrei, sodass ich mit 5-6 Tagen immerhin ausreichend Zeit zum Polieren haben sollte.



      Das Ziel

      Mein Ziel war und ist es natürlich, entgegen jeder Vernunft das Beste aus dem alten Auto herauszuholen, eben "Perfektion". Dass das in der Realität bei einem Fahrzeug-Alter jenseits der 10 Jahre nicht immer klappt, ist mir durchaus bewusst, zumal dieses Auto immer ein Alltagsfahrzeug war und noch ist. Aber ich bin sehr geduldig und gebe bei so einer Aufbereitung gerne alles. Das Ergebnis entschädigt dafür aber auch fast immer!



      Die Aufbereitung

      Schließlich konnte es nach etwas Vorbereitung noch direkt am Dienstag nach der letzten Vorlesung abends losgehen. Zunächst demontierte ich einige Teile des Wagens, wie die Kennzeichen und die BMW-Nieren. Letztere wären sonst beim Schleifen und Aufpolieren der Steinschläge im Frontbereich der Haube im Weg gewesen.

      Danach gab es eine gründliche Zwei-Eimer-Wäsche mit stark dosiertem (80ml/10l) Prima Mystique. Drecknester und verwinkelte Bereiche wurden mit ValetPro APC in 1:3 und diversen Pinseln gereinigt. Soweit alles nichts Spektakuläres, Bilder spare ich mir an dieser Stelle mal. Davon gibt's später noch genug.
      Nach dem Waschen und Trocknen folgte die allgemeine Lieblingsdisziplin: abkleben! Hierzu bevorzuge ich das HPX Basic Tape. Für komplizierte, abgerundete Stellen finde ich das HPX Premium oder 3M Scotch Tape ganz gut. Für einfache, gerade Kanten würde ich jedoch immer zum guten und günstigen HPX Basic greifen.

      Weiter mit dem Glasdach. Dieses fuhr ich zu 2/3 ein, demontierte den Dachspoiler und klebte die Dach-Öffnung mit Zeitungspapier ab, damit kein Polierstaub ins Innere kommen konnte. Da das Glasdach eine Kleinigkeit übersteht, hätte ich dort beim Polieren des Dachs ansonsten Probleme gehabt.
      Während einer Aufbereitung dient mir die so entstandene Fläche auch immer als prima Ablage-Gelegenheit!




      Eine dieser ungeliebten Stellen an dem Wagen ist die Dichtung der Windschutzscheibe. Diese überlappt an der Oberkante das Dach und bildet damit eine Ritze, in der sich gerne Dreck sammelt, oder auch die typischen, weißen Politur-Reste. Deshalb muss man hier beim Abkleben ganz besonders sorgfältig vorgehen. Zu zweit und mit etwas Geduld schafften wir es schließlich, das Tape ein Stückchen unter die Dichtung zu schieben und anschließend nach vorne umzuklappen. Perfekt!






      Ausreichend kaltes Bier sowie die Anlage mit dem Radio Bob-Webstream aus Hessen standen bereit, das Polieren konnte losgehen!

      Zum Einsatz kam zunächst die Rupes Mini mit den bissigen Dynabrade Cutting Mikrofaserpads und Menzerna SHC300. Diese Kombination hatte, wer hätte es gedacht, die Aufgabe die vielen Schliffe zu killen. Dafür benötigte ich insgesamt in etwa 8 Stunden. Die Erfahrung hat gezeigt: gründliches Arbeiten und regelmäßiges Kontroll-wischen mit Ipa ist bei jeglichen Arbeiten rund um's Schleifen, insbesondere aber den partiellen Schliffen, unerlässlich. Bevor später nach dem Finish in der Sonne die unschönen matten Schliff-Stellen ("Wolken") auftauchen, sollte man sich hierbei lieber etwas mehr Zeit lassen.
      Die Dynabrade-Cutting-Pads bewiesen erneut zuverlässigen Biss und bildeten zusammen mit dem Kovax-Trockenschleifsystem meiner Meinung nach ein unschlagbares Team zum Entfernen gröberer Lackdefekte. Würde ich nicht mehr drauf verzichten wollen!

      Ich habe für die ebenen Flächen auf Tür und Seitenteil dann auch mal die Rupes LHR15 ausgepackt und mit geprimten Meguiars MF-Cutting Pads und SHC300 auf die Schliffe losgelassen, um großflächiger und damit schneller arbeiten zu können. Das Ergebnis war jedoch nicht überzeugend. Die meisten Schliffe ließen sich auch in drei sehr langsamen Kreuzstrichen kaum rückstandslos auspolieren, sodass ich schnell wieder zur Mini gewechselt habe. Interessant wären hier die großen Dynabrade-Pads auf der LHR15 gewesen, werde ich definitiv mal ausprobieren!

      Unterstützt wurde die Rupes durch die Proxxon WP/E, die mit einem Fell ausgestattet, ebenfalls eine deftige Defektkorrektur ablieferte und damit dazu beitrug, die Schliffstellen auch an engen Stellen gründlich zu entfernen. Mit dem Exzenter kann man gerade auch an den konvexen Wölbungen der Seitenteile doch nicht so recht arbeiten, hier war ich dann sehr froh, die Proxxon zur Verfügung zu haben. Auch wenn sie deftige Hologramme ablieferte:






      Allerdings fiel auch der Mikrofaser-Schleier ("haze") der Dynabrade-Cutting-Pads ziemlich heftig aus! Wie man sieht, hat es auch mächtig gestaubt. Aber ganz ehrlich Leute, bei der Defektkorrektur hab ich hinterher lieber Schleier/Holos im Lack und Staub obendrauf, als ein perfektes Finish und dafür Cutting-Einbußen. Wo gehobelt wird, darf es gerne auch Späne geben.






      Der Cutting-Durchgang dauerte insgesamt 8 Stunden. Dabei wurden nur die Flächen bearbeitet, wo es auch nötig war.

      Nach dem Cutting folgte eine Runde Koch Chemie Anti-Hologrammpolitur auf gelben Rupes- und orangen Lake Country HD Pads. Diese diente primär zur Bekämpfung der unvermeidlichen Wasch-Swirls, aber auch die ebenso unvermeidlichen Mikrofaserschleier vom Cutting müssen beseitig werden.
      Da, wie gesagt, ansonsten kaum genug Lackdefekte für vernünftige 50/50-Fotos drin gewesen wären, gibt's hier ein 50/50-Shot mit dem Mikrofaser-Haze und einem Durchgang KC Anti Holo auf orangenem LC HD-Pad:








      Zum ersten Mal konnte ich nun auch die Proxxon WP/E mit den Rupes-Pads auf einem Auto einsetzen. Ein absolut feines Teil die Kleine! Im Vergleich zu den beiden Exzentern ein richtig entspanntes, laufruhiges und präzises Arbeiten, auch an engsten Stellen.
      Hierzu probierte ich noch mit diversen Pad-Politur-Kombinationen herum. Die gelben Rupes-Pads dienten in Verbindung mit der KC Anti Holo zum hologrammfreien Finishen, während man mit der SHC300 auf den grauen UHS-Pads einen beachtlichen Cut erreichen kann.




      Letzteres funktionierte allerdings nur kurzzeitig. Nach bereits 2-3 Polierdurchgängen verformen sich die grauen UHS-Pads auf der Rota so dermaßen, dass man sie auswechseln sollte:




      Eventuell wegen der Hitze? Wenn die iBrid, für die diese Pads bekanntlich gemacht sind, nicht auch eine Rota-Funktion hätte, würde ich sagen ja. Schade, immerhin waren die Dinger für so ein kleines Stückchen Schaumstoff nicht billig. Wenigstens haben sie nach dem Waschen später ihre ursprüngliche Form wieder angenommen.

      Etwas der guten alten Handarbeit blieb jedoch trotz allem nicht aus. Die schmale Fensterbrüstung mit den schwarzen "Shadow-line" Leisten sowie die Türgriff-Mulden wurden ganz klassisch mit einem orangenen Lupus-Handpolierschwamm und der Meguiar's Ultimate Compound abgezogen. Für die engen Türgriffmulden habe ich mir extra einen der Schwämme in kleine Streifen geschnitten, ziemlich praktisch!
      Zur Entspannung dienten daraufhin einige schön große Kreuzstriche mit der LHR15 auf der viergeteilten Haube. Die großen, ebenen Bauteile lassen sich halt doch am Angenehmsten machen!




      Der Bereich um Plakette und Nieren-Aussparungen ließ sich am besten mit der LHR75 Mini bearbeiten.




      Weiter ging es wieder mit weniger angenehmen Stellen. Sonst wird's ja noch langweilig! Hier die Proxxon im Einsatz auf der Heckspoilerlippe, wo bisher immer Handarbeit angesagt war...




      ...und hier bekam die schmale Oberkante der Heckschürze ihre Abreibung:




      Woraufhin die Rupes Mini die A bzw. C-Säulen sowie die Gehäuse der Außenspiegel übernehmen durfte. An den Spiegelfüßen war Handarbeit angesagt.






      Natürlich fand ich dabei auch wieder eine Stelle, direkt unter dem charakteristischen Hofmeister-Knick, an die ich mit der Rupes Mini nicht so recht ran kam. Zeit die Proxxon mal wieder zu aktivieren! Hab ich schon erwähnt, dass wir im Laufe dieser Aufbereitung gute Freunde geworden sind? :love: :D




      Auch an den A-Säulen ergab sich die Gelegenheit, die Proxxon ran zu lassen. Hier konnte ich den ca. 5mm breiten Bereich der Holme direkt an der schwarzen Regenrinne mit der Mini nicht bearbeiten, der Absatz war zu groß.




      Auf den uni schwarzen, etwas empfindlichen Regenrinnen oberhalb der Fenster schaffte ich es dann tatsächlich noch, mit der Proxxon und gelbem Rupes Pad Hologramme zu zaubern. Hoppla. Die Leisten sind wohl empfindlicher als ich dachte. Ein erneuter Durchgang mit weißem Rupes-Pad konnte das aber richten.




      Da wir ja großen Wert auf Details legen, dürfen die in etwa 50-Cent-Stück-großen Abdeckungen der Ausstellfenster-Motoren hinten keinesfalls vernachlässigt werden! Diese wurden ebenfalls gründlich abgeklebt (um das Gtechniq G1 auf den Scheiben beim Polieren nicht versehentlich zu töten) und mit der Proxxon aufpoliert.




      Nachdem sämtliche äußeren Bauteile nun einmal abgezogen wurden, folgte ein gründlicher Ipa-Wipe als Vorbereitung für ein "zweites Finish" mit Carpro Essence. Hier gab es dann einige Verzögerungen, da ich nach dem Ipa-Wipe feststellen musste, dass die Koch Anti Hologrammpolitur doch nicht alle Mikrofaserspuren herausgeholt, sondern an der einen oder anderen Stelle nur abgemildert und zugeschmiert hatte. Hier war Nacharbeit nötig, was natürlich auch wieder Zeit kostete.




      Stichwort Zeit: insgesamt benötigte ich für die Finishing-Politur/Ausfahren der Cutting-Schleier ca. 28 Stunden.

      Schließlich war dann das Essence an der Reihe. Ich finde, dass sich dieses Produkt am angenehmsten auf eher weichen Pads verarbeiten lässt, weshalb ich mich dazu für die roten LC HD Finishing-Pads entschied. Da ich bereits bei der Verarbeitung der Anti-Hologrammpolitur (inklusive Nacharbeit...) sorgfältig darauf geachtet hatte, alle Defekte auszufahren, wären härtete Pads mit mehr Cut auch gar nicht mehr nötig gewesen.
      Zudem wählte ich recht großzügige Teilflächen, wie z.B. hier die halbe Motorhaube. Das Foto wurde nach dem Verteilen bzw. Einfahren vom Essence aufgenommen:




      Abgenommen wurde das Essence dann nach einem bis maximal zwei Kreuzstrichen auf mittlerer Drehzahl (Stufe 4 auf der Rupes) mit einigen Microfiber Madness Crazy Pile. Bei diesem Produkt arbeite ich, im Gegensatz zu "normalen" Polituren lieber mit dicken, langfaserigen Tüchern.
      Natürlich musste später auch das Essence auf den eher undankbaren Bauteilen verarbeitet werden, wo es ausgiebig seine Späßchen treiben konnte. Insbesondere an den konkaven Unterkanten der Seitenteile hatte ich immer mal wieder Schatten und Rückstände vom Essence kleben, die sich einfach nicht mehr auswischen lassen wollten. Da war Geduld und guter Wille nötig. Immerhin ließen sich diese Schlieren immer mit einem zweiten Durchgang ganz einfach wieder restlos entfernen.

      Hier zu sehen sind zwei der besagten Essence-Schlieren bzw. -Flecken. Einmal oberhalb der Zierleiste auf der Fahrertür...




      ...und einmal in Form einer langen Schliere unterhalb der Fensterbrüstung auf dem hinteren Seitenteil:




      Am besten klappte die Verarbeitung an derartigen Fahrzeugbauteilen schließlich mit einem gewöhnlichen weißen Lake Country Pad. Diese Pads sind weniger steif und passen sich meiner Meinung nach besser auf konkave/konvexe Karosserieformen an. Der Poliermaschinenteller blieb jedenfalls deutlich seltener stehen.




      Übrigens habe ich vor der Verarbeitung des Essence dank Psaiko's Tipp im Eco-Shield-Thread an vielen Stellen das Tape wieder entfernt. Grund dafür war der, dass das Essence sich als Versiegelung auch mit vielen unlackierten Kunststoffen verträgt und diese schön nachdunkelt, ohne wie herkömmliche Polituren auszukreiden. Ziemlich coole Sache. Hier zum Beispiel die Wischwasserdüse auf der Motorhaube und die Gummidichtungen um die Türgriffe nach der Behandlung:






      Zum Schluss des Essence-Durchgangs habe ich noch etwas herumgespielt. Eine Sache, die mir schon länger ein Dorn im Auge gewesen ist, sind diese auf die hinteren Ausstellfenster aufgeklebten Kunststoffblenden in Höhe der B-Säulen. Ganz unabhängig von Modell und Ausstattungsvariante, konnte man diese beim E46 damals ab Werk nicht anders gestalten, egal ob man nun Chrom- oder schwarz lackierte Fensterzierleisten ("Shadow-line") bestellte. Erst bei den späteren Modellen wurde man in München kreativer und hat schwarze Hochglanz-Leisten verbaut.
      Besagte Leisten bestehen aus einem unlackierten, aber glatten (strukturlosen) Kunststoff, der über die Jahre grünlich-grau geworden ist und dazu elegante Wasserflecken bekommen hat. Sexy. Passte überhaupt nicht zum gesamten Erscheinungsbild des Wagens! Leider war diesem Problem weder mit Plast Star noch Black Wow beizukommen, beide konnten das Material von Anfang an nicht recht nachdunkeln. Diese Beobachtung habe ich aber schon bei vielen, eher glatten Kunststoff-Oberflächen gemacht.
      Letzten Endes schaffte es das Essence aber auch hier, mich mal wieder zum Staunen zu bringen: nach mehrmaligem Abfahren der Leisten mit Essence auf gelbem Rupes-Pad/Proxxon WPE haben diese ein edles, seidenmattes und tiefschwarzes Finish bekommen, das zudem noch absolut gleichmäßig ist. Vermutlich sogar noch schöner als vor 13 Jahren bei der Auslieferung. Stark!

      Vorher:




      Nachher:




      Und das war's auch schon mit dem Essence. Hierzu habe ich insgesamt etwa 8 Stunden benötigt. Auch hier habe ich lieber gründlich und ohne große Eile gearbeitet.




      Meiner Meinung nach hat das Essence noch einmal einen deutlich intensiveren Glanz nach der Finishing-Politur erzeugt. Ob das am Essence selbst oder einfach an dem zweiten Poliergang mit weicherem Pad lag, kann ich jedoch nicht beurteilen. Für mich hat sich der Auftrag des Essence trotz allem gelohnt und solange ich bei Coatings bleibe, werde ich mir das Produkt vermutlich wieder kaufen!
      Zeitlich hatte ich mir die Arbeit so eingeteilt, dass ich mit dem Essence abends durch sein würde und das Produkt über Nacht durchtrocknen konnte, sodass ich ohne extra Pausen einzulegen am anderen Tag mit dem Coating-Auftrag weitermachen konnte.



      Kommen wir zum letzten Schritt, der Versiegelung. Aufgrund des Fahrprofils und der Tatsache, dass der Wagen fast immer draußen steht (wenn auch unterm Carport), erübrigt sich die Frage nach der richtigen Art Lackschutz eigentlich. Ein Coating muss es sein!

      Die Auswahl des Coatings selbst fiel letztlich jedoch alles andere als leicht. Gerade auf diesem Gebiet hat der Markt in den letzten Monaten ja einige sehr interessante neue Produkte ausgespuckt. In die engere Auswahl kamen ServFaces Suave, Gtechniq Exo V3 und LE Eco Shield.
      Das Exo flog raus, da es derzeit dazu noch keine Langzeit-Erfahrunsgberichte gibt und ich einfach keine Lust mehr auf Experimente hatte. Ein weiterer Punkt war das Essence (von dem ich ohnehin noch eine halbvolle Flasche da hatte), bei dem ebenfalls noch nicht bekannt ist, ob es sich mit dem Exo überhaupt vertragen würde.
      Letzten Endes fiel die Wahl auf das ServFaces Suave. Die vielen positiven Erfahrungsberichte (auch in Verbindung mit Essence) sprechen einfach für sich. Und hier ist der gute Tropfen:




      Geplant waren von vornherein zwei Schichten davon. Ob das sinnvoll ist oder nicht, darf jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist aber, der Verbrauch von dem Produkt ist sehr gering, der Aufwand beim Auftrag hält sich in Grenzen und ServFaces selbst empfiehlt den Auftrag in 2-3 Schichten. Warum also nicht?
      Für die Verarbeitung benutzte ich Applikatoren und Suede-Tücher von Gyeon, mit denen ich das Suave gründlich verteilte. Zum Abtrag wurden schließlich die "Wegwerf-Tücher" von Liquid Elements (Value) hergenommen. Habe sie direkt nach dem Einsatz in einen Eimer voll APC-Mischung gepackt und später gewaschen. An den Lack gehe ich damit aber nicht mehr.
      Der Auftrag des Suave auf die mit Essence behandelten Flächen lief richtig gut, das Pad mit dem Suede-Tuch hat schön über den Lack geflutscht. Auch große Bauteile wie die Motorhaube ließen sich ohne vielfache Unterteilung problemlos behandeln.




      Laut Servfaces sollte der Auftrag der zweiten Schicht Suave zwischen 90 und 180 Minuten nach der ersten Schicht erfolgen. Ein mehr als üppiges Zeitfenster! Wie erwartet gestaltete sich auch der Auftrag der zweiten Schicht absolut problemlos. Fast noch einfacher als die erste Schicht! Das Zeitfenster ermöglichte es mir auch problemlos, auf dem ganzen Auto die erste Schicht fertigzustellen und direkt im Anschluss in der gleichen Reihenfolge mit der Zweiten weiterzumachen.

      Zeitaufwand für die Applikation des Suave lag bei ca. 6 Stunden für beide Schichten.

      Danach hieß es erst einmal abwarten. Um dem Coating das Aushärten zu ermöglichen, durfte der Wagen nach dem Auftrag drei Tage/Nächte in der trockenen Garage verbringen.

      Wer sich gefragt hat, was in der Zwischenzeit mit den ausgebauten Nieren passiert ist, diese haben auch ihre Pflege bekommen. Praktischerweise lassen sich die (originalen) BMW-Nieren im ausgebauten Zustand zweiteilen, sodass man sie deutlich besser reinigen kann. Sollte man alle paar Jahre ruhig auch mal machen.
      Die schwarz lackierten Rahmen der Nieren habe ich von Hand mit der Ultimate Compound von leichten Kratzern, Steinschlägen und Wasserflecken befreit und anschließend mit der Proxxon und weißem Rupes-Pad auch dort das Essence aufgetragen. Zugegeben, die Performance-Nieren sind relativ neu, allzu viel war da also auch nicht zu holen. Die Versiegelung erfolgte auch hier mit Suave, spaßeshalber aber mal mit 3 Schichten.




      Die Innenteile mit den Querstegen aus schwarz durchgefärbtem Kunststoff habe ich nicht extra poliert, sondern nur mit einem Pinsel gründlich gereinigt und nach einem Ipa-Wipe mit dem Polymer Netshield versiegelt.

      Zeit, die Sommerräder zu montieren. Diese wurden bereits über den vergangenen Winter in der Wohnung aufgearbeitet und mit dem Gtechniq C5 versiegelt.
      Dabei stellte ich fest, dass die Bremssättel ja auch noch etwas Politur brauchen könnten. Gesagt, getan. Ein altes, orangenes Lake Country Spotpad auf der Rupes Mini konnte Abhilfe schaffen. Allerdings wurde die Aktion für das Pad ein Kamikaze-Einsatz ohne Überlebens-Chancen...




      Versiegelt wurden die Sättel nach einem Ipa-Wipe ebenfalls mit dem Suave. Hier ein Beading-Pic, das einige Tage später (im verschmutzten!) Zustand entstand:




      Und wenn ich schonmal dabei bin, an den Bremsscheiben könnte man es ja eigentlich auch mal mit Versiegeln probieren. Und so wurden die Töpfe (die Teile über der Radnabe, natürlich nicht die Reibfläche!) mit den Resten vom Gtechniq C5, die ich noch von den Sommerrädern übrig hatte, versiegelt.
      Auf den Reifen glänzt das Slickrims Tire Threadment (Versiegelung), getoppt mit dem Surf City Garage Black Edge Tire Dressing.




      Was nun noch fehlte, waren die Endrohre. Diese sind mit verchromten Blenden verziert, die dank Ruß und dem Dreck des letzten Winters auch schon mal besser ausgesehen hatten. Dagegen half das gute alte Autosol metal polish. Auch eine ideale Wiederverwendungs-Möglichkeit für meine gebrauchten (und gewaschenen) Value Tücher vom Coating-Abtrag.




      Nach guten 30 Minuten Handarbeit sahen die Blenden jedenfalls wieder aus wie neu. Und damit der Zustand vielleicht auch eine Weile so bleibt, gab es nach einem Ipa-Wisch das Max Protect UNC-V3 in einer Schicht auf das blanke Chrom.




      Nachdem ich nun an so gut wie jeder Fläche des Wagens mal ausgiebig herumpoliert hatte, kam schließlich die Zielgerade. Während die diversen Versiegelungen auf dem Auto aushärteten, machte ich mich an die Pflege meiner Ausrüstung. Muss ja auch sein! Hier zu sehen die bei der Aufbereitung eingesetzten Pads, nach dem Waschen:





      Das Ergebnis

      Und hier sind sie, die obligatorischen Finish-Pics:
























      Das Suave zeigt diesen typischen, "harten" Versiegelungsglanz. Es ist keine so starke "Wetlook"-Glanzbombe wie das Si3D, erzeugt aber trotzdem einen richtig sexy Spiegelglanz. mir gefällt das fast besser. Ansonsten ließe sich das vermutlich noch mit einem (neutralen) Detailer a la Bouncer's Done & Dusted etwas steigern. Mit dem SF Final oder dem Sonax BSD gehe ich da aber erst mal nicht ran, wäre schade um das gute Coating darunter.
      Zugegebenermaßen hatte mich das Suave die ersten paar Tage nach dem Auftrag etwas enttäuscht. Insbesondere gegenüber chemischen Einflüssen wie Wasserflecken, toten Insekten oder Insektenkot ist es die ersten 2-3 Wochen sehr anfällig. Darauf sollte man in dieser Zeit deshalb auch etwas aufpassen. Am besten vorerst nicht in der prallen Sonne parken, sonst brennt sich jeder sche*ss sofort ein und das schöne Finish ist schon versaut... :S

      Mittlerweile ist jedoch auch bei mir die "Trockenphase" vorbei und das Suave kann seine volle Leistung entfalten. Und diese ist beeindruckend! Näher möchte ich darauf aber nicht eingehen, mehr dazu gibt's im Suave-Thread.

      Der Zeitaufwand lag bei ca. 50 Stunden (ohne Schleifen). Dazu sei aber gesagt, dass davon nicht viel Zeit für die wirklich großen Flächen (Dach, Haube etc.) draufging, wie man eigentlich meinen könnte, sondern hauptsächlich für diese kleinen Detail-Fummel-Arbeiten. Das Polieren wie auch Versiegeln der vielen engen, schwer zugänglichen Stellen am Wagen macht den Großteil davon aus. Aber genau solche Details machen eben auch den Perfektionisten aus.



      Das Schlusswort

      Alles in allem bin ich im Nachhinein aber sehr zufrieden mit mir und dem Ergebnis. Nach diversen "Rückschlägen" in den vergangen Jahren mit Produkten wie dem Fusso Kot oder dem Si3D habe ich mit dem Suave mal wieder ein Versiegelungs-Produkt gefunden, das mir wirklich zusagt. Geiles Zeug und seinen im ersten Moment vielleicht etwas deftigen Preis absolut wert!
      Und die vielen Schliffe, auch wenn ich dabei ausgiebig geflucht habe...sportlich betrachtet war das immerhin mal wieder eine gewisse Herausforderung! Ich meine, Neuwagen frisch aus dem Werk aufpolieren kann ja jeder! :D
      Natürlich habe ich auch die eine oder andere Stelle gefunden, mit der ich mich bei der nächsten Aufbereitung noch etwas näher beschäftigen könnte. Die nötigen Gerätschaften dafür habe ich nun ja, Entschuldigungen gibt es also keine mehr! Man könnte sagen, die Suche nach Perfektion geht weiter... :)



      Danksagung

      Achtung, jetzt kommt der schleimige Teil: zum Schluss möchte ich mich mal beim Forum, allen Usern und Moderatoren bedanken! Ein Großteil meines Fachwissens, das auch in diese Aufbereitung geflossen ist, habe ich mir hier bei euch angeeignet.
      Klar, eigene Erfahrungen sind eine Sache, aber ohne eine gewisse Grundkenntnis, was die Arbeitstechniken und vor allem die riesige Palette an Produkten angeht, läuft hier einfach gar nichts! Diese Kenntnisse kann man sich durch Etwas Lesen hier im Forum prima aneignen und später am "lebenden Objekt" in eigene Erfahrungen umsetzen.

      Besonderer Dank gilt auch Manuel ( @Manuel13 ) und Julian ( @Hulian22 ) sowie Chris ( @Chris71 ), die sich mein dummes Gelaber seit ein paar Jahren nun auch außerhalb des Forums anhören müssen. :D
      Das wär's von meiner Seite. Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Text nicht zu sehr gelangweilt! Lob und Kritik sind wie immer erwünscht und falls es noch Fragen geben sollte: immer her damit!

      Viele Grüße,
      Yannick aka CaptainFox

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von CaptainFox ()

    • Sehr geile Arbeit :thumbsup: Detailing bis ins kleinste Detail :love: und nicht nur eine Standard "Fahrzeugaufbereitung"
      Plus hammer Dokumentation mit vielen Bildern und Erklärungen. Sehr Informationsreich! :)

      Eine Frage habe ich allerdings, um den Lackschutz weiter zu beobachten: Hattest du schon das neue Suave 2017 oder noch eins der alten?
      Man liest ja öfter im Forum, dass die beiden Versionen sich doch unterscheiden, daher die Frage. :)

      Allerseits gute Fahrt mit dem schönen Coupe!
      "Und wenn du in dieser Werkstatt nicht das richtige Werkzeug findest, Mister Arizona, dann hast du von Autos keine Ahnung." :thumbup: :D
    • Vielen Dank für euer Feedback! Hat mich sehr gefreut! :)

      Zu euren Fragen:

      Das Suave müsste noch die 2016er Version sein. Ich hab es damals extra vor dem offiziellen Release der '17er-Version gekauft, da ich lieber die "altbewährte" Variante haben wollte. Ich glaube ich hab es im Suave-Thread schon mal geschrieben, ich bin kein Freund der Strategie von ServFaces, ein derart gutes und vielfach bewährtes Produkt jedes Jahr zu verändern.

      Ein kleiner Bericht zum Innenraum wird bestimmt noch kommen, dazu hatte ich bisher jedoch noch keine Zeit. ;)