Kunstleder: Reparatur mit Flüssigleder machbar?

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    • Kunstleder: Reparatur mit Flüssigleder machbar?

      Moin,

      und zwar habe ich eine kleine aber leider allzu auffällige Beschädigung an der Sitzwange einer MB C-Klasse (W204) zu beseitigen. Die Sitze sind aus schwarzem Kunstleder. Nun stellt sich mir die Frage, ob ich die Risse verschleifen und anschließend mit Colourlock Flüssigleder füllen könnte. Bei Sitzen aus echtem Leder habe ich das schon gemacht, bei Kunstleder jedoch noch nicht. Hat von euch schon jemand Erfahrung damit? Hält das Zeug im Kunstleder auf Dauer halbwegs? Schließlich ist das ja nicht gerade eine Stelle, die wenig belastet wird. :D
      Alternative wäre neu beziehen lassen, was vermutlich aber direkt wieder 150 Euro aufwärts kosten würde, weshalb ich es vorher mal mit einer günstigeren Reparatur probieren möchte, falls das nicht absolut aussichtslos ist. :)

      Hier zwei Bilder von der Beschädigung:




      Viele Grüße,
      CaptainFox

      edit: auch wenn es auf den Bilder so aussieht, die Risse sind nicht ganz durch. Was man da drunter rausschauen sieht, ist das Trägermaterial vom Kunstleder, (noch) nicht die Polsterung. ;)
    • Das sollte gehen mit dem colourlock pflegeset. Wichtig ist halt die richtige Farbe fürs flüssigleder und vor allem dem Leder Fresh zu haben. Ein wenig schleifen wirst du müssen. Aber ist alles nicht so schwer. Wird ja ausführlich in den Videos beim lederzenztrum.de beschrieben. Habe selber hässliche Nasen bei einem Auto weg gemacht wo eine Katze zu Besuch war.

      [IMG:https://abload.de/img/f53180c2-863e-4f63-8rdioq.jpeg]

      [IMG:https://abload.de/img/e3bd4b61-69e4-4f1a-a50d7m.jpeg]

      Besser wird es auf jeden Fall. Nur ob du dann damit zufrieden bist ist halt die andere frage :)
    • Bei einer Mittelarmlehne die im Prinzip nicht beansprucht wird und aus Leder ist kann man das gut machen.
      (Sieht super aus auf den Bildern)
      Bei einer Sitzwange aus Kunstleder ist das schon was ganz anderes da sie ja einer permanenten mechanischen Belastung ausgesetzt ist. Mit dem schleifen und färben wird es sicher auch schwierig.
      Das würde ich ehr austauschen oder einen Fachmann machen lassen.
      Ist halt immer die Frage ob sich das dann lohnt.
      Ich habe viel Geld für Alkohol, Weiber und schnell Autos ausgegeben. Den Rest hab’ ich einfach verprasst.
      George Best
    • Dmartin schrieb:

      Schreib doch das Lederzentrum mal an. Die haben mir bislang immer sehr gut geholfen (wenn es was zu retten gab).
      würde ich auch sagen. Die Mail sollte aussehen wie der Post hier, mit Bildern und Fabrikat. Die wissen genau was sie dir dann schicken müssen. :thumbup:
      Die sagen dir auch ehrlich ob das an der Stelle hält oder ob austauschen mehr Sinn macht auf Dauer. :thumbup:
    • Merci für eure Antworten! :thumbup:
      Ganz nach dem Motto "Probieren geht über studieren" hab ich mir ne Pulle von der passenden Tönung besorgt (den Rest hatte ich ohnehin da) und habe heut morgen angefangen zu verspachteln. Mal schauen wie's wird und ob es dann auch hält, notfalls wird eben doch neu bezogen. Dann machen die paar Euro für die Tönung den Bock wohl auch nimmer fett. Ich werde auf jeden Fall berichten! :)
    • Mauszeiger schrieb:

      Ich habe das beim Renault Megane versucht mit Flüssigleder, auch die Sitzwangen. Das hat ein paar Wochen gehalten und sieht jetzt leider wieder so aus.

      Okay, nicht gut! Also sind die alten Risse wieder aufgegangen? :(
      Hast du die Risse vorher geklebt (wie das Lederpflegezentrum empfiehlt) oder auch nur mit Flüssigleder gefüllt?
    • Mauszeiger schrieb:

      Von Kleben war nicht die Rede als ich dort angefragt habe, ein Auszug aus der Mail
      Großer Unterschied zwischen Riss in der Oberfläche aufgrund mangelnder Pflege (Austrocknung, Falten... ) und Riss im Obermaterial durch mechanische EInwirkung.

      Oben sehen wir beim Captain Fall 2. Material das man anheben kann, muss also natürlich erstmal wieder verklebt werden. Die Bruchstelle wird dann mittels Flüssigleder zu gemacht und nach erneutem Schliff wieder eingetönt.

      Hast du nur Risse in der Oberfläche, schleift man dies (immer) an, entfettet und kann mit Flüssigleder wenn nötig, Material auftragen und auffüllen, danach eben wieder tönen.

      Man spachtelt ja auch nicht einfach ein Loch in der Seitenwand des Kfz zu, sondern sorgt vorab dafür, das die Bleche weitesgehend zueinander finden und wieder passen.
      Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität des Produzenten.
      »Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln« :D
    • Amazing schrieb:

      Mauszeiger schrieb:

      Von Kleben war nicht die Rede als ich dort angefragt habe, ein Auszug aus der Mail
      Großer Unterschied zwischen Riss in der Oberfläche aufgrund mangelnder Pflege (Austrocknung, Falten... ) und Riss im Obermaterial durch mechanische EInwirkung.
      Oben sehen wir beim Captain Fall 2. Material das man anheben kann, muss also natürlich erstmal wieder verklebt werden. Die Bruchstelle wird dann mittels Flüssigleder zu gemacht und nach erneutem Schliff wieder eingetönt.

      Hast du nur Risse in der Oberfläche, schleift man dies (immer) an, entfettet und kann mit Flüssigleder wenn nötig, Material auftragen und auffüllen, danach eben wieder tönen.

      Man spachtelt ja auch nicht einfach ein Loch in der Seitenwand des Kfz zu, sondern sorgt vorab dafür, das die Bleche weitesgehend zueinander finden und wieder passen.

      Richtig, zumindest in der Theorie. Leider ist es bei derartigen unter Spannung entstandenen Rissen nicht so einfach, sie zu verkleben. Die Klebeflächen (Stoß auf Stoß) sind sehr klein und zum Trocknen des Klebers aufgrund der Spannung kaum fixierbar. Ich bin leider auch dran gescheitert, weshalb ich am Ende auch nur mit Flüssigleder gefüllt habe.

      teconteroga schrieb:

      Mich würde generell mal interessieren was das "Flüssigleder" fürn Zeug ist.
      Selbst wenn es sich um richtige Ledersitze handelt, die repariert werden müssen, kann das ja kaum flüssige Tierhaut sein.

      Das muss doch dann so oder so ne Art Flüssigkunststoff sein oder?

      Genau richtig. Kannst du dir vorstellen wie Spachtelmasse, die in Löcher oder Spalten geschmiert wird und dort aushärtet. Letzteres ist auch das Problem bei Leder, das flexibel sein sollte (Sitze etc.). Das Flüssigleder härtet aus und bewirkt einen Festigkeitssprung, sprich bei beanspruchten Stellen ist das Risiko besonders groß, dass gefüllte Schäden wieder aufreißen. Optimal ist das z.B. bei meinem Schadensbild nicht, aber einen Versuch wars wert. :)
    • abgerockter Fahrersitz(UK)


      Ohne Kleber, nur per Flüssigleider vorerst gerettet. Der Sitz kommt ja bei mir als Beifahrersitz zum Einsatz daher ist die Beanspruchung nicht so groß.




      Danach eben geschliffen und komplett neu eingetönt. Bei dem Schaden auch nach einem Jahr kein Wunderwerk, aber eine deutliche Verbesserung. Aktueller Stand kann nachgereicht werden.


      EDIT:

      Captain, Stoß auf Stoß wirst du den Riss auch nicht verklebt kriegen, da geht es nur darum, das Obermaterial wieder mit dem Trägermaterial zu verbinden, da man ja sieht, wie schön sich am Riss die Kanten anheben. Nur das quasi und sehr blöd formuliert -runter kleben- ! Natürlich wird ein Spalt bleiben, den musst du dann auffüllen mit Flüssigleder. Etwas rein, mit Föhn trocken, nächste Schicht, Föhn.... so kanns dir nicht weg laufen.
      Wenn du das gleiche Niveau erreicht hast, die letzte Schicht bestenfalls mit Musterabdruck wieder die Perforation verleihen und dann trocknen. Vorsichtig schleifen und dann tönen.
      Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität des Produzenten.
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    • So, die Reparatur ist so weit abgeschlossen. Vorgegangen bin ich dabei wie folgt:

      Zunächst habe ich versucht, die Risse zu verkleben, was leider nicht funktioniert hat. Grund dafür ist der, dass die Risse nicht ganz durch waren, sondern lediglich in der Beschichtung waren. Unterkleben fällt damit aus, und Stoß auf Stoß ist bei derart kleinen, unter Spannung stehenden Rissen schwierig.
      Ich hab also direkt mit dem Flüssigleder losgelegt. Auftragen mit einem Zahnstocher und mit einem Spachtel in die Risse drücken:




      Das Flüssigleder braucht dann ca. eine Stunde bis es soweit angetrocknet ist. Dabei sackt es auch etwas ein, wie man auf dem Bild erkennen kann. Es müssen also mehrere Durchgänge her, um tiefere Risse wie die gezeigten zu füllen. Zweiter Durchgang mit Flüssigleder:




      Und der dritte Durchgang, eine Stunde später:




      Wie man sieht, reicht das immer noch nicht ganz. Also nochmal:




      Fast perfekt. Einen fünften und letzten Durchgang noch:




      So kann man das lassen. Das Flüssigleder durfte daraufhin über Nacht aushärten. Am nächsten Morgen kam dann das Colourlock Leder-Schleifpad zum Einsatz. Das Lederpflegezentrum empfiehlt zwar, vor dem Füllen mit Flüssigleder zu schleifen, aber in meinem Fall ging es ja nur darum, die noch etwas hochstehenden Riss-Kanten zu glätten. Am Flüssigleder habe nicht großartig schleifen müssen. Tatsächlich hat das dann auch halbwegs gut geklappt.




      Das Problem bei genarbtem Leder ist, dass man beim Schleifen stark eingeschränkt ist. Nimmt man zu viel ab, verschwindet logischerweise auch die Narbung und die bearbeitete Stelle fällt durch die Glätte dann natürlich auf. Hier muss man einfach Kompromisse eingehen. Aus diesem Grund habe ich die aufgeworfenen Risskanten nicht vollständig geglättet, sondern vorher mit dem Schleifen aufgehört, mit Ipa gründlich entfettet und mit Colourlock Leder Fresh gefärbt. Hier sieht man das Endresultat:




      Ganz perfekt ist es nicht geworden, aber für's Erste ausreichend. Wie gesagt, bedingt durch die Narbung wird das Schleifen bzw. Glätten erschwert. Bei Glattleder ohne Oberflächenstruktur hätte man das noch sauberer verschleifen können.

      Wie man auf dem nächsten Bild unter LED-Licht sehen kann, hab ich mit dem Leder-Fresh auch die Farbe nicht so ganz getroffen. Die Sitzwange ist etwas zu dunkel geworden. :D
      Aber das ist das kleinere Problem. Eine nachträgliche Anpassung mit Leder Fresh in einem helleren Ton ist problemlos möglich. Damit warte ich jetzt allerdings noch ab, ob die gefüllten Stellen auch zu bleiben. Wenn nicht, muss die Sitzwange halt doch neu bezogen werden.








      Das Ganze darf jetzt nochmal eine Weile trocknen, dann wird die komplette Sitzgarnitur gereinigt und mit Voodoo Blend eingepflegt. Bin sehr gespannt ob die reparierten Stellen halten. Wenn ja wär das eine echt günstige Alternative zum Neubezug. Lediglich etwas Zeit sollte man mitbringen. Zwei bis drei Tage dauert die ganze Prozedur inklusive Trockenzeiten je nachdem nämlich schon. :)