Farbabweichung für kleines Geld messen

  • Manchmal ist es erwünscht, dass sich durch Aufbereitung die Lackfarbe ändert, manchmal nicht, völlig verhindern ist unmöglich. Allerdings kann man das in einem gewissen Umfang steuern. Dazu benötigt man ein sogenanntes Spectrometer und Software. Laborkalibriert kosten die Geräte vierstellig. Wenn dem Lackierer zum Beispiel nachgewiesen werden soll, dass er sich in der Farbe vergriffen hat.

    Für Hobbyisten reicht aber auch der daumengroße Datacolor ColorReader.

    ColorReader - Datacolor ColorReader

    Kostet 119 Euro, in den Kleinanzeigen oft die Hälfte. Damit kann man messen, welche Werte die Lackfarbe im Lab-Farbraum beschreiben und die Farbabweichung vor und nach der Aufbereitung ermitteln.

    Das Messen: Ist binnen 2 Minuten erledigt. Kleinen Knopf neben der USB-Ladebuchse des ColorReaders drücken, grüne Bereit-LED leuchtet, ColorReader per Bluetooth mit der Handy-App verbinden. Mitunter wird man zum Kalibrieren aufgefordert, was man per App auslöst und nur Sekunden dauert.

    Dann die schwarze Kappe ab. In der App "Mehrfachmessung" auswählen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Den ColorReader auf eine ebene Lackfläche stellen oder halten. Sechs Messungen an ganz leicht unterschiedlichen Stellen in der App auslösen und Durchschnitt berechnen lassen. Das ist die Vorher-Messung. Nachher-Messung dito an möglichst gleicher Stelle.

    Schließlich in der App „Verlauf“ klicken. Dann werden die wichtigen Lab-Werte aufgelistet, die die gemessenen Farben beschreiben.

    Das Berechnen: Verschiedene Lab-Werte, verschiedene Farben. Vergleichen kann der ColorReader selbst nicht. Das muss online geschehen. Es gibt Normen für Algorithmen, um die Farbabweichung zu bestimmen. Die gebräuchlichste heute ist CIE2000.

    Kostenloser Online-Kalkulator ohne Registrierung:

    Welcome to Bruce Lindbloom's Web Site

    Die drei Vorher-Lab-Werte sind immer „Reference“, die drei Nachher-Lab-Werte werden unter „Sample“ eingetragen. Dann „Calculate“ und unter CIE2000 erscheint eine Zahl. Kennt man diesen Wert für ein Wachs, Coating oder eine Versiegelung, weiß man schon vor dem Auftrag, wie die Farbabweichung aussehen wird.

    Die Bewertung: Der errechnete CIE-2000-Wert besagt:

    • Bis 0.5: nahezu unmerklich
    • 0.5 - 1.0: für das geübte Auge bemerkbar
    • 1.0 - 2.0: geringer Farbunterschied
    • 2.0 - 4.0: wahrgenommener Farbunterschied
    • 4.0 - 5.0: wesentlicher, selten tolerierter Farbunterschied
    • Über 5.0: andere Farbe

    Die Automobilindustrie toleriert bei Zulieferern Abweichungen bis 0.75.

    Praxis: Bei der Aufbereitung wird sich in aller Regel ein Wert über 0.5 einstellen. In diesem Bereich liegen viele Wachse und Versiegelungen. Das Auto Finesse Illusion packte 1.12 drauf. Das ODK Glamour 0.08.

    Hinzu kommt: Beim Polieren wird Lack abgetragen. Bei Erstpolitur älterer Lacke darf man sich über Werte jenseits von 0.5 nicht wundern. Bei altem 1-Schicht-Uni-Rot kann es flott Richtung 4.0 gehen.

    Beispiel: Wer sich selbst versuchen will, hier mal Messwerte aus der Datacolor-App von der Aufbereitung eines alten, aber sehr gut erhaltenen Lacks:

    Ganz unten: verstaubt

    Darüber: gewaschen und geknetet

    Darüber: poliert und entfettet

    Ganz oben: gewachst mit Surluster Manhattan Gold.

    4 Mal editiert, zuletzt von Testa (30. Mai 2025 um 22:48)