Mitchell and King, kurz M&K, ist eine kleine Wachs-Manufaktur aus der Nähe von Glasgow in Schottland. Gegründet im Juni 2013 von John JOHNSTONE. Ursprünglich spezialisiert auf Luxus Wachse. Mittlerweile ist das Angebot riesig. Günstig geht dort auch. Außerdem gibt es immer mal wieder Sonder-Angebote mit 30 oder sogar 50 Prozent Rabatt. Beziehen kann man die Wachse und Versiegelungen offenbar nur direkt. Paypal buchte 87,42 Euro ab. Auf das Wachs Lily gab es 50 Prozent, die Glanz-Versiegelung Titan kam regulär. Nach 5 Tagen kam es mit DHL. Einfuhrumsatzsteuer wegen Brexit. Es wurden weitere 12 Euro fällig. Gekauft, weil es hieß, es sei die „glossiest paint sealant“, die M&K im Angebot habe.
Es ist alles etwas schwierig. Sicherheitsdatenblätter gab es trotz Nachfrage keine. Angaben zu Gewicht oder Füllmenge findet man auf Titan und Lily auch nicht.
Vorwäsche, Handwäsche, Meguiars Wash Plus +. Geknetet. Weil unklar blieb, ob das hartnäckige Firewall Brazil restlos runter war, ging es mit einer flotten Runde Rupes Uno Pure auf mittelharten LC-Pads über den Lack. Anschließend zwei Entfetter-Runden mit Labo Veritas. M&K empfiehlt, nach der Wäsche das Pre-Wax Pure aufzutragen. Kratzer habe ich im Grunde keine, und an der Orangenhaut wird das Pure auch nichts ändern. Das Pure habe ich mir erspart.
Lack-Temperatur lag zwischen 20 und 24 Grad. Relative Feuchte betrug 45 Prozent.
Das Titan kommt in einer klaren Flasche. Unter dem schwarzen Deckel befindet sich ein zweiter Verschluss. Das Hellblau ist die Farbe der Flüssigkeit. Handschuhe und Brille solle man tragen. Weil es leicht auskreidet, wird es wohl ein Flüssig-Wachs mit Carnauba sein. Auftrag mit einem MF-Pad. Undefinierbarer Geruch. Auf entfettetem Lack rutscht es nicht so richtig prima. Abnahme nach Fingertest. Hier waren es so um die 10 Minuten. Spurenlose Abnahme auch auf Glas und Dichtungen. Es ist nicht wie Staubwischen. Etwas Druck benötig man. Wolken und Schlieren gab es keine. Schätze, es wird für 10 weitere Fahrzeug reichen.
Das Wachs Lily ist eine andere Nummer. Schwarzer Glastopf mit schwarzem Plastikdeckel. Man weiß, dass Carnauba und Petroleum enthalten sind. Leicht ölig, aber in der Konsistenz eher hart. Ein Zitronen-Duft ist beigemischt, der sich aber schwer tut, das Petroleum zu überdecken. Brille, Handschuhe, im Freien oder im gut durchlüfteten Raum. Man solle etwa 10 Minuten warten, bis man das Lily auf dem Titan schichte.
Auftrag per Schwamm-Applikator. Es ist nicht mühelos und der Abtrag kein Staubwischen. Auf Glas und Dichtungen bleiben keine Rückstände, Wolken und Schlieren gab es auch keine. Die Wartezeit bis zur Abnahme wird mit 20 Minuten angegeben. In einem Video sprach Johnstone davon, mehr sei besser. 30 oder 45 Minuten. Die Öle in Lily bedürften Zeit, ihre segensreiche Wirkung zu entfalten. Es lag so ungefähr 60 Minuten drauf.
Weil der Tag eh fast um war, habe ich den Rat des Schichtens befolgt. Das erhöhe den Glanz. Das Lily ließ sich besser verteilen. Der Wagen stand mittlerweile in der Garage, weil die Sonne gewandert war. Temperatur betrug zwar nur 20 Grad. Um den Gestank los zu werden, wurde nach 45 Minuten das Tor geöffnet. Die Heckstoßstange lag in der prallen Sonne und heizte sich schnell auf. Zu heiß für das Lily, Schlieren bei der Abnahme. Aber nur dort. Die Lackglätte ist sehr guter Wachs-Durchschnitt. Der Lack fasst sich sehr weich und warm an.
Hydrophobie hatte ich bereits vorab gemessen und konnte sie beim Lily nicht nachweisen. Sagt aber nichts über Beading und Sheeting. Davon kommen die Tage Fotos.
Farbveränderung hatte ich auch gemessen. Die CIE-2000-Wert besagen gegenüber der Messung auf dem gewaschenen Lack:
- Bis 0.5: nahezu unmerklich
- 0.5 - 1.0: für das geübte Auge bemerkbar
- 1.0 - 2.0: geringer Farbunterschied
Veränderung nach Titan: 0,21
Nach einer zusätzlichen Runde Lily: 0,21
Nach zwei zusätzlichen Runden Lily: 0,29
Für wen? Ich sehe das Lily eher auf Show Cars. Standzeit unerheblich, zumal sie auch nicht angegeben ist. Der Glanz ist hoch, die Farbe strahlt schön, Tortenguss gibt es auch.
Cons: M&K ist kein reiner Hersteller von sogenannten Luxus-Wachsen mehr. Eigentlich ausschließlich unter freiem Himmel zu empfehlen. Das Wetter muss passen. In einem Video sprach Johnstone davon: Nichts für den Winter-Auftrag, da habe man andere Wachs-Spezialisten. Für Lily sollten es schon um die 20 Grad sein.